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Writers in Prison Tag Writers in Prison Tag 2006
Veranstaltungstitel China und seine "Grosse Brandmauer"  Dichtung, Zensur und Cyberdissidenz im Reich der Mitte

China ist aus vielerlei Gründen seit längerem Gegenstand wachsenden Interesses.  
Für das Writers in Prison Committee WiPC des International PEN bedeutet der Blick auf China in erster Linie, festzustellen, dass sich die Situation der Schreibenden, der DissidentInnen verschlechtert hat. Seit einigen Jahren schon befassen sich die im WiPC aktiven PEN Zentren mit Fällen aus China, führen Kampagnen durch für unsere inhaftierten und gefährdeten KollegInnen. 
Für den "Writers in Prison - Tag" 2006 beschlossen deshalb die 3 Schweizer PEN Zentren "China" zu ihrem Thema zu machen.
Im folgenden einige Informationen zu "PEN und China" und zu unseren Gästen Yu Zhang (Stockholm) und Yang Lian (London), Mitglieder des Unabhängigen chinesischen PEN Zentrums, die vom 14. - 16. Nov. in der Schweiz ihre Recherchen und ihre Texte vorstellen werden.
Der Fall Shi Tao | WiPC: China 2006 | Kommentare - PEN bei der UNO | Unsere Gäste | Cyberdissidenz in China

Shi Tao, Dichter, Journalist, Cyberdissident, Gefangener

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Gedicht von Shi Tao, der zur Zeit eine Haftstrafe von 10 Jahren in einem chinesischen Hochsicherheitsgefängnis verbüsst. Poem by Shi Tao from "Dedicated to the Book of the Dead" / 8-1.August  2004
Taiyuan, Shanxi Province)

I
I forget all
language starts
from the simplest words.

Memory like a lamp
in the slave’s hand:
kneeling, I beg it to last.

Night moves on inch
by inch. Before dawn’s first
light I search for a life.

No news of a boat
mooring alongside.
Over my face

a sea-breeze plays -
its taste is called
sorrow.
"9 short Poems" by Shi Tao (Übersetzung von John Weston mit Dank an Yang Lian)
>> englisch (PDF 125 Kb) /chinesisch (PDF 97 Kb)
 
Das Schicksal von Shi Tao ist zu einem Symbol für den "Krieg ohne Rauch und Qualm" geworden, den die chinesische Regierung auf dem Internet führt. Sein Kollege Yang Lian wird Gedichte von ihm in die Schweiz mitbringen und als Zeichen dafür, dass weder Shi Tao noch seine Mitgefangenen bei uns vergessen sind, vorlesen.

Shi Tao wurde am 24. November 2004 verhaftet. Angeklagt und verurteilt wurde er  wegen "Verbreitung von Staatsgeheimnissen im Ausland". Er hatte per e-mail die Zusammenfassung einer Regierungsdirektive "an ein feindliches Element im Ausland" versandt. Die Anweisung auferlegte chinesischen Medien Restriktionen vor dem damals erwarteten 15ten Jahrestag der Massaker auf dem Tiananmenplatz. 
Am 27 April 2005 wurde er von einem chinesischen Gericht zu 10 Jahren Haft verurteilt. Zusätzlich ist er für zwei Jahre nach Verbüssung der Strafe seiner politischen Rechte beraubt. Der Rekurs, den er im Juni 2005 einreichte, blieb erfolglos, seine Anwälte weisen daraufhin, dass dabei schwere Prozedurfehler unter gültigem chinesischem Recht begangen wurden. 
Shi Tao arbeitete für verschiedene Zeitungen, unter anderem für "Dangdai Shang Bao" (Contemporary Trade News). Er schrieb auch politische Kommentare für Online Foren, insbesondere die von New York aus verwaltete chinesische Website "Demokratieforum". Es war die IT-Firma Yahoo!, die über ihre Filiale in Hongkong der chinesischen Polizei nachweislich Informationen geliefert hat, die es erlaubten, die Verbindung zwischen Shi Taos persönlichem e-mail Account, der IP-Adresse seines Computers und der inkriminierenden Nachricht herzustellen. 
Die Dui Hua Stiftung, die in San Francisco für die Freilassung politischer Gefangener aktiv ist, hatte das Gerichtsurteil gegen Shi Tao ins Englische übersetzt und publiziert. Darin wird Yahoo! explizit erwähnt. Somit wurde der Fall Shi Tao exemplarisch für die vielen anderen Cyber-Dissidenten, die dank ausgeklügelter Technologie von den chinesischen Behörden aufgespürt, angeklagt und zu Gefängnisstrafen verurteilt werden. Denn weltweites Aufsehen erregte der Fall, da die Bereitschaft internationaler  Internetfirmern, deren Dienste auch "wir" benutzen,  im Hinblick auf ihre Zusammenarbeit mit Regierungen, die persönliche Daten oder Nachweise von Datenverbindungen verlangen, von KritikerInnen im In- und Ausland und zahlreichen Menschenrechtsorganisationen hinterfragt und angeprangert wurde.
Ebenso wird wie auch in vielen anderen Ländern die Frage danach gestellt, wann und ab welchem Grad die Publikation oder Weiterleitung sogenannt interner Informationen aus Behörden den Straftatbestand der Staatsgeheimnisverletzung erfüllen.
Schon vor einem Jahr bestand Anlass zur Sorge um den Gesundheitszustand Shi Taos, der im Hochsicherheitsgefängnis Chishan in der Provinz Hunan einsitzt, wo er in einer Edelsteinfabrik Zwangsarbeit verrichtet. Seine Familie berichtet, dass er als Folge des Schleifens und Polierens von Edelsteinen wie viele seiner Mitgefangenen unter Atemschwierigkeiten und Lungenentzündungen leidet. Shi Tao verbringt seine Zeit mit der Aussicht, bis im Jahr 2014 inhaftiert zu bleiben. 
Der International PEN, Reporters sans Frontières, Amnesty International und weitere Menschenrechtsorganisationen haben ein Auge auf ihn, wie auf alle anderen ihnen bekannten  Inhaftierten, sind und bleiben aktiv und wachsam in allen Fällen dieser Verletzung des Rechtes auf freie Meinungsäusserung und Informationsaustausch.

US PEN Centre, New York News re Shi Tao
Centre PEN Suisse Romand (CPSR) Communiqué zu Shi Tao, Writers in Prison Tag 2005 - zusätzliche Details-  zusammengestellt von Mavis Guinard französisch und englisch, PDF 138 Kb
Dui Hua (Dialog) Stiftung, San Francisco >> Dui Hua
Abschrift des Urteils von Shi Tao, Online zur Verfügung gestellt von Reporters Sans Frontières >> Reporters sans Frontières; Urteil Download: chinesisch/engl., PDF 138 Kb
Amnesty International, Internet Kampagne, Shi Tao, Brief an Yahoo! >> Amnesty Kampagne

Liste der Rapid Actions für China / Liste der Inhaftierten in China im Jahr 2006

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Seit Januar 2006 hat das Rechercheteam des WiPC Informationen zu 11 Fällen an das "Rapid Action Network" der dem Komitee angeschlossenen PEN Zentren herausgegeben. Nur eine Nachricht berichtet von einer Freilassung: der Journalist Jiang Weiping wurde kommentarlos nach fünf Jahren seiner auf 8 Jahre angesetzten Haftstrafe entlassen. Alle anderen Aufrufe zu Aktionen und Appellen betreffen Verhaftungen, nach vergeblichen Rekursen aufrecht erhaltene Gefängnisstrafen und sogar einen Totschlag. Der International PEN hat eine Kampagne zur Freilassung von 32 Schreibenden in China gestartet.

Rapid Actions "China" Januar - Oktober 06 RAN China. eng. PDF 203 Kb

Das Independent Chinese PEN Centre begleitet die GEfangenen in China und beobachtet die Fälle. Viele seiner Mitglieder befinden sich in Haft, einige sind nach (teilweiser) Verbüssung ihrer Strafe freigelassen worden.
Liste der vom ICPC beobachteten Fälle ICPC Caselist, PDF 205 Kb

Kommentare von PEN Mitgliedern  -  PEN kritisiert China in der UNO

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Centre PEN Suisse Romand Dinah Lee-Küng zu China;  Fawzia Assaad bei der UNO

Das Centre PEN Suisse Romand CPSR hat sich seit langem schon speziell für chinesische Schreibende eingesetzt. So ist der Dissident He Depu einer der Gefangenen, der vom CPSR "adoptiert" wurde, und für den sich CPSR - Mitglied Dinah Lee Küng mit Briefen und Appellen einsetzt. Auch in ihrem Statement, das sie für die Diskussionen des CPSR am Writers in Prison Tag vorbereitet hat, geht sie auf seinen Fall ein.


Programm  PEN Suisse Romand, 16. 11., Genf "Lumière sur les droits de l'homme en Chine" , PDF 21 Kb
Dinah Lee Küng: "Meinungsäusserungsfreiheit und Menschenrechte in China, der Stand der Dinge" ...Chine , frz., PDF 111 Kb  
...China , engl., PDF 104 Kb
mehr zu Dinah Lee Küng, Schriftstellerin, langjährige Korrespondentin (u.a. Washington Post) in China >> "Ecrasez l'infâme!"

Das Centre PEN Suisse Romand CPSR ist mit seinem Mitglied  - ehemals im Vorstand und ehemals  Interims-Präsidentin - Fawzia Assaad und durch seine Situierung in Genf besonders mit der UNO verbunden, und hat daher Gelegenheit, die entsprechenden menschenrechtlichen Aktivitäten in Genf wahrzunehmen und aus der Nähe "up to date" zu sein. Fawzia Assaad repräsentiert den International PEN bei der UNO in Genf. Der International PEN hat Beraterstatus, wird somit konsultiert und ist berechtigt, Statements an den Sessionen des Menschenrechtsrates abzugeben.

Am 22. September gab Fawzia Assaad an der 2. Session des UN Menschenrechtsrates das Statement des International PEN ab, in dem China kritisiert wird. Aktuell ist der PEN besonders besorgt, dass China als Mitgliedsstaat seit der ersten Session des Rates im Juni schon wieder 2 Personen in direkter Verletzung des 19. Artikels der Universellen Menschenrechtserklärung verurteilt hat.


Übertragung des PEN Statements in der UNO, Genf; Webcast; Sprecherin: Fawzia Assaad PEN Statement (RealPlayer erforderlich)  

Persönlicher Bericht von seiner Tätigkeit für das WiPC von PEN und DSPZ-Mitglied Wolfgang Windhausen; ein Appell an die hiesigen KollegInnen. Bericht deutsch, PDF 115 Kb

Unsere Gäste

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Yang Lian wurde 1955 in Bern als Sohn eines Diplomaten geboren, und ist in Beijing aufgewachsen. Heute lebt er in London. Seine Gedichte und Essays wurden in mehr als zwanzig Sprachen, auch ins Deutsche, übersetzt, und er hat zahlreiche internationale Auszeichnungen für sein Schreiben erhalten. Er ist eine herausragende Stimme der zeitgenössischen chinesischen Literatur. Und er erhebt sie gegen die Tyrannei in seinem Heimatland. Yang Lian

Zu schreiben begann Yang Lian auf dem Land, wohin auch er während der siebziger Jahre zur "Umerziehung durch Arbeit" gesandt worden war. Zurück in der Hauptstadt arbeitete er beim Rundfunk. Ab 1979 gehörte er zur Demokratiebewegung des "Pekinger Frühling" und wurde Mitglied der Gruppe junger Poeten, welche die Untergrundzeitschrift "Jintian" (Heute) herausgaben. 
Erste Berühmtheit erlangte er 1983, als sein Gedicht "Nuorilang" im Zuge der "Kampagne gegen geistige Verschmutzung" heftig kritisiert wurde. Als sich das politische Klima während der ersten Phase der "öffnung und Reform" etwas milderte, erlangte er auch Bekanntheit ausserhalb Chinas. Er wurde zu Vorträgen und Lesungen eingeladen und reiste unter anderem nach Hongkong, Westdeutschland, Frankreich, österreich. 
Zur Zeit des Massakers auf dem Tiananmen Platz, im Juni 1989, befand er sich als "Fellow" an der Universität Auckland in Neuseeland. Yang Lian blieb im Exil und wurde Bürger Neuseelands, seine Bücher wurden in China verboten. Seit 1994 lebt er in London, seiner "Hauptstation", von der aus er unermüdlich reist; seit einiger Zeit auch wieder nach und in China. 
Yang Lian hat auch die Schweiz bereist, wo er 1998 in Sils Maria an einer Konferenz der Nietzsche-Gesellschaft teilnahm. Er hat diesem Ort einige seiner schönsten Gedichte im Band "Masken und Krokodile" gewidmet. Seine Essaysammlung "Geisterreden" wurde vom Ammann Verlag veröffentlicht. 
Gedichtsammlungen wie "Masken und Krokodile", "Der Ruhepunkt des Meeres", sein Gespräch über chinesische Literatur und Schreiben im Exil mit dem Nobelpreisträger Gao Xingjian, wurden in deutscher Sprache von verschiedenen Verlagen herausgegeben und sind teilweise noch – auch antiquarisch – erhältlich.

Nach wie vor äussert sich Yang Lian zur kulturellen und politischen Lage in China. So veröffentlichte er im März dieses Jahres einen offenen Brief an Hu Jintao und Tony Blair, in dem er scharfe Kritik an der Politik und dem Verhalten beider Politiker übte, und seinen Eindruck der Verschlechterung des Klimas mit dem Nachweis zahlreicher Verhaftungen, Schliessungen von Zeitungen und dem Hinweis auf das ausgedehnte überwachungsnetz des chinesischen Regimes belegt. Auch Yang Lian ist Mitglied des Unabhängigen Chinesischen PEN Zentrums.


persönliche Website in Englisch und Chinesisch >> Yang Lian
Offener Brief an Mr. Hu Jintao und Premierminister Tony Blair, Epoch Times, englisch >> Open Letter


Yu Zhang, geboren 1952 in Wuhan, in der Provinz Hubei ist heute in Stockholm aktiv als Generalsekretär des Unabhängigen Chinesischen PEN Zentrums
In der Provinz Hubei, wo er aufwuchs, verbrachte er einen kurzen Arbeitseinsatz als Bauer im Landkreis Zhongxiang, und war später vier Jahre als Arbeiter in der Chemischen Fabrik Hubei in Yingcheng. 1974 begann er am Wuhan Institut für Chemische Technologie zu studieren 1982 wurde er als Forschungsassistent nach Schweden gesandt, wo er an der königlichen technischen Hochschule in Stockholm in anorganischer Chemie promovierte. Dort arbeitet er heute als Senior Scientist. 
Yu Zhang
Während seiner Studienzeit, später als Lehrer am Institut in Wuhan und während seiner weiterführenden Studien in Schweden, sagt Yu Zhang, seien für ihn politische Diskussionen auf mehr oder weniger private Kreise beschränkt geblieben. Erst nach den Massakern auf dem Platz des himmlischen Friedens im Juni 1989 machte er seine kritischen Auseinandersetzungen öffentlicher. 
Nachdem sein Vater, ein Schriftsteller, wegen seiner kritischen Briefe an die Führerschaft der Kommunistischen Partei verhaftet worden war, trat Yu Zhang Amnesty International bei und setzte sich bald aktiv für menschenrechtliche Belange ein. 
In Stockholm begann er 1990 den monatlich erscheinenden Newsletter "Nordic Chinese" zu publizieren. Er ist bis heute Chefredakteur des Magazins "Nordic Chinese Communication" mit Sitz in Oslo, und schreibt Reportagen, Essays, Kurzgeschichten wie auch politische Kommentare für chinesische Zeitungen und Magazine in Taiwan, Hongkong und den Vereinigten Staaten. 
Nach der Gründung des Unabhängigen Chinesischen PEN Zentrums (ICPC – Independent Chinese PEN Centre) im Jahr 2001 wurde Yu Zhang bald Mitglied und leistete wichtige Arbeit, indem er die adminstrativen und juristisch relevanten Strukturen dieses vergleichsweise jungen Zentrums innerhalb der PEN Gemeinschaft aufbaute. 
Daraufhin widmete er sich der Leitung des ICPC - Writers in Prison – Komitees. Im Herbst 2005 wurde er zum Generalsekretär des Zentrums gewählt. Diese Aufgabe führt ihn auf zahlreiche Missionen, wie etwa diejenige nach China im Mai 2005, wo er in Beijing, Shanghai und Hongkong – nicht immer ganz unbehelligt – mit AutorInnen. Journalistinnen und Familienangehörige von Inhaftierten zusammentraf.
Zur Zeit ist er auch Mitglied im Organisationskomitee der "International PEN Asien- und Pazifik- Konferenz", die im Februar 2007 in Hongkong stattfinden wird.

Website des Independent Chinese PEN Centres, Chinesisch und Englisch >> ICPC

Cyberdissidenz in China

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Krieg ohne Rauch und Qualm auf dem Internet Yu Zhang hat ausgiebige Recherchen zur Situation der Cyber-Dissidenten in China durchgeführt und die wichtigsten Informationen in einer Power Point Präsentation zusammengestellt, die er – auf den neusten Stand gebracht - auch im Literaturhaus Zürich zeigen wird.