Veranstaltungen

Jahresversammlung 2016 des DeutschSchweizer PEN Zentrums

Donnerstag, 05. Mai 2016 10.00 Uhr
Altes Spital, Solothurn

Die Jahresversammlung findet im Vorfeld der Solothurner Literaturtage statt: Donnerstag, 5. Mai 2016, Altes Spital Solothurn, 10 Uhr. Allfällige Anträge zuhanden der GV müssen gemäss Statuten (Art.

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Projekte

Ein Writers-in-Exile Programm für die Schweiz

Eine Wohnung für verfolgte Autoren und Autorinnen

Darum geht's In vielen Ländern werden Schriftsteller und Schriftstellerinnen verfolgt, inhaftiert oder gar ermordet. Mit einem Writers-in-Exile Programm möchte das DSPZ dafür sorgen, dass Menschen, die gegen Missstände anschreiben, eine Zeit lang in Frieden leben und arbeiten können. Weltweit sind zur Zeit über 800 Autoren und Autorinnen staatlichen Repressionen ausgesetzt, weil sie sich politisch oder zivilgesellschaftlich engagieren.

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News

„In Luzern fühle ich mich wohl und sicher“


Daniel R. Mekonnen, erster Bewohner der PEN-Gastwohnung in der Schweiz

Daniel R. Mekonnen, Rechtsanwalt, Menschenrechtsaktivist und Lyriker aus Eritrea, kann nicht in seine Heimat zurück. Kaum angekommen würde er sofort verhaftet werden. „In Eritrea verschwinden Tausende, von denen man nie mehr etwas hört. Andere landen im Gefängnis“, sagt er bei einem Treffen in Luzern, wo er für die Dauer eines Jahres dank des Engagements des Deutschschweizer PEN Zentrums (DSPZ) in Ruhe in einer Studiowohnung arbeiten kann. Befragt, weshalb so viele Männer Eritrea verlassen, gibt er zur Antwort: „Eritrea kennt einen unbegrenzten ‚Nationalen Dienst’, dieser umfasst den Militärdienst, der offiziell auf 18 Monate beschränkt ist, aber auch zivile Aufgaben. Manchmal wird man bei Minen- oder Feldarbeiten eingesetzt, wie lang man auf diese Weise dem Land als Soldat oder Arbeiter dienen muss, ist nicht absehbar, es kann Jahre oder auch Jahrzehnte dauern. Man wird zu einem Sklaven.“

 Folter, Festnahmen ohne Angabe der Haftgründe, unmenschliche Haftbedingungen in überfüllten Gefängnissen sind an der Tagesordnung. „Menschen werden in Container gesperrt, in denen schreckliche Zustände herrschen“, sagt Mekonnen. Der Einparteienstaat, dessen Parlament im Jahr 2002 unter dem autoritär herrschenden Präsidenten Isayas Afewerki aufgelöst wurde, gelte als einer der am stärksten militarisierten Staaten der Welt und könne durchaus mit Nordkorea verglichen werden. Die 1997 verabschiedete Verfassung trat bis heute nicht in Kraft. Pressefreiheit besteht in Eritrea praktisch nicht. Das NGO Reporter ohne Grenzen listet Eritrea seit 2007 auf dem weltweit letzten Platz des jährlich erscheinenden Press Freedom Index. Eine UN-Untersuchungskommission, Amnesty International sowie die Schriftstellerorganisation PEN International haben in den letzten Jahren mehrfach auf die Missstände in Eritrea hingewiesen. Ein weiterer Grund für die Flucht Tausender aus dem Land ist die katastrophale wirtschaftliche Lage.

 Auch Daniel R. Mekonnen wurde in den ‚Nationalen Dienst’ eingezogen. Er wurde in den Militärbaracken der Hafenstadt Massawa als Lehrer eingesetzt. Nach dem Studium der Rechte an der Universität von Asmara wurde er Distriktrichter und konnte dank eines Stipendiums der Weltbank an zwei Universitäten in Südafrika sein Studium fortsetzen, wo er einen Master in Human Rights machte und die „Eritrean Movement for Democracy and Human Rights“ (EMDMR) mitbegründete. Die Bewegung ist  in Eritrea nicht geduldet. Spätestens von jetzt an konnte er nicht mehr in seine Heimat zurück. Sieben Jahre hat Mekonnen in Südafrika verbracht. Wegen seines Engagements für die Menschenrechte und für die Meinungsäusserungsfreiheit wurde er mehrfach bedroht. In Twittertexten wurde aufgerufen, nach ihm zu jagen und ihn nach Ertirea zu verschleppen. Heimweh nach seinem Land hat er, doch seit 2003 hat er aus Angst vor einer Verhaftung Eritrea nicht mehr betreten. Heute lebt Mekonnen als Nomade in Europa und hält Gastvorträge über die Verletzung der Menschenrechte in Eritrea und über die Freiheit des Wortes in Afrika, er forscht über Migration in Afrika, berät internationale Organisationen und schreibt Expertisen zur Lage in seiner Heimat und in anderen Staaten Afrikas. Gerne würde er Vorträge oder Seminare halten zur Rolle der Medien bei der Propagierung der Menschenrechte. Wie Medien missbraucht werden und wie Kriegspropaganda wirkt, sind weitere Themen, die ihn beschäftigen. Im Rahmen eines Workshops von jungen Migrationsforschern spricht er demnächst zum Thema „Denken ohne Grenzen“. Über ICORN, das ‚International Cities of Refuge Network’, eine humanitäre Organisation, die für dissidente Autoren und Menschenrechtsaktivisten von Oslo aus Schutzplätze vermittelt, ist Mekonnen in Kontakt mit dem Deutschschweizer PEN Zentrum getreten, welches seit kurzem in Luzern eine Atelierwohnung für verfolgte Schriftsteller unterhält.

 „Die Opposition im Landesinnern ist zum Schweigen gebracht worden, aktiver Widerstand findet heute im Ausland statt.“, sagt Mekonnen. In Eritrea gebe es derzeit nur den passiven Widerstand: Menschen bleiben am arbeitsfreien muslimischen Freitag mit Freunden zu Sit-ins zuhause, um so zu bekunden, dass sie das Regime missbilligen. Manchmal werden Flugblätter verteilt, was aber äusserst gefährlich sei. Die grösste je ausserhalb Eritrea durchgeführte Demonstration gegen die Diktatur in Eritrea, an der 5000 Eritreer aus ganz Europa teilgenommen haben, hat Daniel R. Mekonnen vor dem Genfer Sitz der UNO im Juni dieses Jahres im Alleingang organisiert. „Diese Demonstration bildete den Anfang einer neuen oppositionellen Bewegung gegen die Diktatur in Eritrea“, sagt er. Zum 25. Jahrestag der eritreischen Unabhängigkeit im Mai 2016 plant Mekonnen eine Publikation, in der mehrere renommierte Autoren über die Lage in Eritrea berichten werden. Zudem will er eine Konferenz mit Workshops zum Thema organisieren. „Ich bin kein Politiker“, sagt Mekonnen, „ich strebe kein Amt an, ich setze mich in meinen Publikationen und Auftritten ein für die Freiheit des Wortes und für die Menschenrechte.“ Zahlreich sind denen auch seine Aufsätze in Sammelbänden und Zeitschriften zu Menschenrechten und zur Freiheit des Wortes. Möglichst schnell will er jetzt in Luzern Deutsch lernen, um sich mit Menschen aus seiner neuen Umgebung unterhalten zu können. „In Luzern“, sagt er, „fühle ich mich wohl und sicher.

 Michael Guggenheimer

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